Bezirksorganisation Baden

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Grundsatzpapier zu Gesundheit präsentiert

Die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe zum Thema „Gesundheit“ stellten die stellvertretende Landesparteivorsitzende der SPÖ Niederösterreich, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, sowie die Gesundheitssprecherin des NÖ Landtagsklubs, Landtagsabgeordnete Mag. Karin Scheele, im Rahmen eines Pressegesprächs vor.

„In den letzten Monaten haben wir uns gemeinsam mit Expertinnen und Experten hinsichtlich der aktuellen gesundheitspolitischen Herausforderungen intensiv ausgetauscht“, betonte Königsberger-Ludwig zunächst. Zwar habe das Bundesland NÖ eine gute medizinische Versorgung, meinte das zuständige Landesregierungsmitglied für Gesundheit, trotzdem müsse heute im Miteinander auf bestimmte Entwicklungen reagiert werden, um morgen noch ein leistungsstarkes öffentliches Gesundheitswesen zu haben. „Besondere Aufmerksamkeit wurde deshalb in den Gesprächsrunden dem drohenden ÄrztInnenmangel gewidmet, sind doch momentan landesweit 15 Kassenstellen für Allgemeinmedizin nicht besetzt“, erklärte Königsberger-Ludwig.

„Es steht eine Pensionierungswelle in der Allgemeinmedizin an. Darüber hinaus zeichnen sich zunehmend Nachwuchsprobleme in dieser Disziplin ab“, skizzierte Königsberger-Ludwig die Situation. 46 Prozent der MedizinerInnen seien derzeit über 50 Jahre alt, 26 Prozent älter als 60 Jahre. „Wenn sich die Prognosen bewahrheiten, braucht es ein Bündel an Maßnahmen. Das Drehen weniger Schrauben wird nicht reichen.“ Einzelne Aktionen, wie die Initiative Landarzt, seien zwar begrüßenswert, aber auch da gebe es bei der Umsetzung noch viel Verbesserungspotenzial, merkte Königsberger-Ludwig an: „Nach einem Jahr Projektlaufzeit bloß einen praktischen Arzt zu finden, der fünf Stunden zusätzliche Versorgung in einer Gemeinde leistet, wo ohnehin eine Arztpraxis vorhanden ist, muss als bescheidener Erfolg bezeichnet werden.“

Um kurzfristig mehr junge Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeinmedizin zu gewinnen, sieht Königsberger-Ludwig etwa in der Forcierung der Primärversorgungszentren einen vielversprechenden Weg. Zudem würde eine Imagekampagne mit „Role Models“ sowie die Bewerbung der Lehrpraxen-Regelung keineswegs schaden, zählt Königsberger-Ludwig weitere Vorschläge aus der Arbeitsgruppe auf. Gleichfalls wurde als zielführend erachtet, zusätzliche Anreizsysteme zu schaffen, wie die Verknüpfung der finanziellen Unterstützung von Studierenden mit einer Verpflichtung, einige Jahre als AllgemeinmedizinerInnen in NÖ zu praktizieren, oder spezielle Prämien, wenn im ländlichen Raum eine Arztpraxis eröffnet wird.

Auf lange Sicht sei über die Anzahl der Studienplätze zu diskutieren, sagte Königsberger-Ludwig, wobei vorerst Maßnahmen gegen die fehlende Attraktivität des Berufsbildes Allgemeinmedizin höhere Priorität zukämen. Weitere Punkte, die in Angriff zu nehmen sind, betreffen die Überarbeitung der Aufnahmeprüfungen an den Medizinunis in Bezug auf eine stärkere Berücksichtigung sozialer Kompetenzen sowie die bessere Einbindung neuer Technik in den Ordinationsalltag. Auch wurde die Einrichtung eines eigenen Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an öffentlichen Universitäten in den Gesprächen als sinnvoll erachtet, um die Allgemeinmedizin innerhalb des Medizinstudiums aufzuwerten.“

Landtagsabgeordnete Scheele wies darauf hin, dass die Sozialdemokratie für ein sachleistungsorientiertes Gesundheitssystem, in dem sich Menschen nicht selbst Grundleistungen zahlen müssen, stehe. Die SPÖ Niederösterreich spreche sich deswegen klar gegen eine Sonderklasse in Spitalsambulanzen aus, hielt Scheele fest: „Fast Lanes oder Selbstbehalte in Ambulanzen kommen für uns nicht infrage. Stattdessen befürworten wir eine flächendeckende, dezentrale Versorgungstruktur, die unter Bedachtnahme der Bedürfnisse in der jeweiligen Gesundheitsregion zu gewährleisten ist.“

Ein weiteres Thema in der Arbeitsgruppe war die Leistungsharmonisierung in der Sozialversicherung. Es dürfe angesichts der Kassenzusammenlegung zu keiner 3-Klassen-Medizin kommen, unterstrich Scheele, sondern vielmehr müsse das Motto „Gleiche Leistung für gleiche Beiträge gelten“. Außerdem sei es notwendig, Wahlärzten verstärkt Angebote zu stellen, um sie wieder ins Kassensystem zurückholen zu können. Auch die Sorgen des Gesundheitspersonals müssten entsprechendes Gehör finden. „Damit die Beschäftigten in den Gesundheitsberufen ihre Arbeit optimal ausüben und anderen Menschen helfen können, ist sicherzustellen, dass sie ihre Aufgabe gesund und zufrieden erledigen können. Bestimmte berufsbedingte Belastungen können verringert werden, wenn beispielsweise Arbeitsabläufe, Arbeitsanforderungen sowie Arbeitsumgebung verbessert und optimiert werden“, so Scheele abschließend.

  • Servicebild_Kollross