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04.06.2021

SPÖ-Schnabl/Wagendristel: „Arbeitskraft, die leistbar ist und Arbeit, von der man leben kann, schließen sich nicht aus.“

Die regionale, heimische Landwirtschaft ist mit den negativen, wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona konfrontiert. Das Auskommen mit dem Einkommen in der Landwirtschaft ist für viele Betriebe eine Herausforderung und für einige Betriebe, wie Gastro-Zulieferer, ein Existenzkampf. Die Landwirtschaft ist sowohl Arbeitsplatz für die Bewirtschafter als auch Arbeitgeber für hunderte Menschen und nun bietet sich die Chance, diesen Bereich im Zuge der wirtschaftlichen Corona-Aufarbeitung mehr in den Vordergrund stellen.

 

SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender LHStv. Franz Schnabl erläutert: „Vollbeschäftigung in Niederösterreich ist möglich – jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit! Alles was es braucht, sind mutige und von Weitsicht geprägte Investitionen in die Bereiche der Zukunft. Die Zeit drängt und wir müssen in den nächsten Gang schalten, anstatt auf der Bremse zu stehen – das zeigen die Arbeitsmarktzahlen: Aktuell sind noch immer über 50.000 Menschen ohne Job. Hinzu kommen derzeit weit über 63.000 in Kurzarbeit. Diesen Menschen sind wir verpflichtet, für einen guten und fair bezahlten Arbeitsplatz. Dafür setzt sich die Sozialdemokratie in Niederösterreich ein. Auch die Landwirtschaft kann ihren Teil dazu beitragen, sowohl die eigenen Arbeitsbedingungen zu verbessern, als auch Jobs zu schaffen.“

 

Die Initiative „80.000 neue Jobs für NÖ“ von Schnabl und der SPÖ NÖ wird von den SPÖ-Bauern NÖ unterstützt. SPÖ Bauern NÖ-Vorsitzender Ernst Wagendristel erklärt: „Die NÖ Landwirtschaft kann einen Beitrag für mehr heimische Jobs leisten. Corona hat uns gezeigt, wie sehr wir in der österreichischen Lebensmittelproduktion von ausländischen Arbeitskräften abhängig sind, als ErntehelferInnen aus dem Ausland nicht einreisen konnten. Heimische LandarbeiterInnen waren kurzfristig nicht aufzutreiben und Gründe dafür waren sicher die schlechten Arbeitsbedingungen im landwirtschaftlichen Bereich sowie die Behandlung und Bezahlung der Arbeitskräfte.“

 

Die SPÖ NÖ und die SPÖ-Bauern NÖ fordern daher, dass die Arbeitskraft und der Arbeitseinsatz sowohl in den Corona-Hilfsmaßnahmen als auch in der künftigen Ausrichtung der landwirtschaftlichen Förderungen mehr Berücksichtigung finden. Schnabl und Wagendristel: „Die arbeitsintensive Landwirtschaft braucht fachkundige Land- und ErntearbeiterInnen – die Bundesregierung hat hier dringenden Handlungsbedarf! Ein Lösungsansatz wären Betriebsverbünde, die die SPÖ-Bauern schon seit Jahren thematisieren.“ Sie basieren auf dem Konzept eines Arbeitskräfteaustauschs unter verschiedenen bäuerlichen Betrieben – wichtig sind uns ein Mindestlohn und verbesserte Arbeitsbedingungen. Hier wurde nun mit Mitwirken und Zustimmung der SPÖ im Parlament ein wichtiger Schritt getan.

 

Zwt.: Neues Landarbeitsgesetz als Chance

Mit 1. Juli tritt das neue Landarbeitsgesetz österreichweit in Kraft. Ein Meilenstein, denn aus neun Landesregelungen wird ein gesamtösterreichisches Regelwerk für Arbeitsverhältnisse im land- und forstwirtschaftlichen Bereich. Das neue Gesetz wurde Ende März einstimmig im Nationalrat verabschiedet. Die SPÖ hat vor allem Verbesserungen bei den Arbeitsverhältnissen, der Arbeitszeitregelung und bei Lohntransparenz eingebracht – 35.000 ArbeitnehmerInnen profitieren davon.

 

„Endlich gibt es einheitliche, klare Regelungen für landwirtschaftliche Betriebe und ihre Beschäftigten. Ein Erntehelfer im Gemüsebau im Marchfeld unterliegt künftig den gleichen gesetzlichen Bedingungen wie seine Kollegin in Tirol. Ein Dienstortwechsel in ein anderes Bundesland wird künftig leichter fallen. Betrieben, die über Landesgrenzen tätig sind, nimmt man bürokratische Hürden“, erklärt Wagendristel: „Wir sehen unsere langjährigen Vorschläge und Forderungen im Landarbeitsgesetz zu einem Gutteil umgesetzt, es gibt aber noch viel Luft nach oben. Arbeit in der Landwirtschaft muss für die Betriebe leistbar sein und für die Beschäftigten akzeptabel, in der Entlohnung wie bei den Arbeitsbedingungen.“ Landwirtschaftlichen Betrieben wird es erstmals gesetzlich ermöglicht, gemeinschaftlich als Arbeitgeberverbünde LandarbeiterInnen gemeinsam ganzjährig zu beschäftigten. So kann zum Beispiel ein/e ArbeitnehmerIn im Frühjahr Spargel-Stechen gehen, im Sommer bei der Gemüseernte beschäftigt sein, im Herbst in einem Weinbaubetrieb arbeiten und im Winter in einem Forstbetrieb. Den LandarbeiterInnen steht in diesen Verbünden der kollektivvertragliche Mindestlohn von rund 1.500 Euro zu.

 

Auch Förderungen, wie sie Landwirtschaftsministerin Köstinger für die heimische Fleischproduktion anspricht, seien für Schnabl denkbar – denn sie seien wohl eine Voraussetzung dafür, dass Billigfleischimporte eingedämmt werden könnten: „Allerdings nur in Kombination mit entsprechenden Kriterien: Unverhandelbar sind eine artgerechte Tierhaltung und es sollen nur Betriebe gefördert werden, die die kollektivvertraglich festgelegten Mindestlöhne für landwirtschaftliche FacharbeiterInnen zahlen.“ Zudem müsse auch die Arbeitsintensität in der Landwirtschaft berücksichtigt werden.

 

LHStv. Schnabl ist erfreut über das neue Landarbeitsgesetz: „Diese neue Möglichkeit der Betriebsverbünde im Zusammenspiel mit einheitlichen, verbesserten Arbeitsbedingungen sind ein wesentlicher Faktor, um künftig ganzjährige, nachhaltige Arbeitsverhältnisse im ländlichen Raum zu schaffen. Der Job als LandarbeiterIn könnte somit für ÖsterreicherInnen ansprechender werden. Auch für ArbeitgeberInnen ist es von Vorteil, wenn eingearbeitete, erfahrene und geschulte Arbeitskräfte über Jahre gehalten werden können, weil man sie kostengünstig mit anderen, kooperierenden Betrieben teilt. Wichtig wäre es zukünftig auch, dass genannte Betriebsverbünde auch für das Nachwachsen ihres Arbeitskräftepotentials sorgen und Lehrlinge zum ausgebildeten Facharbeiter ausbilden.“


So schafft die Landwirtschaft nach Corona neue Jobs für NÖ